Drogen, Sex und Alkohol? Wie Peers in sozialen Medien das Risikoverhalten beeinflussen

Gerade in jungen Jahren lassen wir uns oft durch das lenken was unsere Freunde und Peers tun, was sie unserem Eindruck nach zu tun scheinen und welche Einstellung sie vertreten – sowohl in positiver als auch in negativer Hinsicht. Soziale Medien bieten neuen Raum und neue Möglichkeiten für die Kommunikation bzw. Wahrnehmung solcher Normen, die – so zeigen Studien – das Potential haben Einstellung und Verhaltensintention beeinflussen zu können.

Profilfotos auf Facebook verändern sexuelles Risikoverhalten

Eine aktuelle Studie mit medizinischem und psychologischem Hintergrund befasst sich mit der Frage, ob Fotos auf sozialen Netzwerkseiten soziale Normen kommunizieren, die das Risikoverhalten beeinflussen. Dazu bedienten sich die Forschenden einer Reihe von Profilfotos eines Universitätsnetzwerkes auf Facebook, in welchem sich die Nutzer/innen nach den Ergebnissen eines Vortests besonders „brav“ zu präsentieren schienen (d.h. es gab in diesem Netzwerk besonders wenige anzügliche Fotos).

Die Versuchsteilnehmer/innen (Studierende der entsprechenden Universität), die diese Fotos vor dem Ausfüllen eines Fragebogens zum eigenen sexuellen Risikoverhalten zu sehen bekamen, zeigten deutliche Unterschiede zur Kontrollgruppe, die keine Fotos gesehen hatte: Sie schätzten den Anteil an Mit-Studierenden die ungeschützten Verkehr praktizieren als geringer ein und zeigten eine stärkere Intention, in Zukunft Kondome zu nutzen. Die gezeigten Fotos scheinen in dieser Studie dazu gedient zu haben, eine Norm bzgl. der Einstellung zu sexueller Freizügigkeit der eigenen Peers bewusst zu machen (oder auch zu suggerieren) und das entsprechende Risikoverhalten negativ zu beeinflussen. Das Ganze funktioniert natürlich auch anders herum, wie die Folgestudie der Forscher zeigt: Werden sexuell anzügliche Fotos gezeigt, verändert sich die Einschätzung des eigenen Verhaltens und das der anderen in eine eher risikofreudige Richtung.

Mehr Glaubwürdigkeit für Anti-Drogen Kampagnen durch positive Nutzerkommentare

Eine andere Studie, von Joe Walther und Kollegen von der Michigan State University, gibt Aufschluss über die persuasive Macht anderer Nutzer/innen in Bezug auf die Einstellung zu Drogen. Die Forschenden präsentierten verschiedene PSAs (Public Service Announcements) gegen Marijuana-Nutzung auf Youtube und kombinierten sie entweder mit positiven oder negativen Kommentaren anderer Nutzer/innen. Das Ergebnis: die Nutzerkommentare hatten einen starken Einfluss auf die Evaluation der Videos. Wurde der Grad an Identifikation mit den Kommentatoren mit einbezogen, konnte sogar ein Unterschied bzgl. der Einstellung zu Marijuana festgestellt werden: wurden die PSAs gelobt und sprachen die Kommentierenden sich gegen die Droge aus, zeigten auch die Versuchsteilnehmer/innen eine negative Einstellung zu Marijuana.

Beide Studien zeigen, dass der Einfluss von Peers auch online stattfindet. Das betrifft nicht nur unsere „offline“-Freunde, die wir auch im realen Leben kennen und die mit uns über Facebook kommunizieren – auch völlig unbekannte Nutzer sozialer Plattformen können einen Einfluss auf unsere Verhaltensintention und unsere Einstellung bzgl. des eigenen Risikoverhaltens haben, der noch verstärkt wird wenn wir uns diesen unbekannten Nutzern zugehörig fühlen. Natürlich bleibt die Frage nach der tatsächlichen Änderung des Verhaltens und der langfristigen Effekte hier zunächst unbeantwortet, trotzdem geben die Ergebnisse einen Einblick in das Potential sozialer Medien für Einfluss und Persuasion in Bezug auf Drogen, Alkohol etc.

Literatur:

Young & Jordan (2013). The Influence of Social Networking Photos on Social Norms and Sexual Health Behaviors. Cyberpsychology, Behavior, and Social Networking, ahead of print. doi:10.1089/cyber.2012.0080

Walther, DeAndrea, Kim & Anthony (2010). The Influence of Online Comments on Perceptions of Antimarijuana Public Service Announcements on YouTube. Human Communication Research, Volume 36, issue 4 (October 2010), p. 469-492. DOI: 10.1111/j.1468-2958.2010.01384.x

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