Von Rezensionen und Entscheidungsschwierigkeiten

Wer kennt das nicht? Ich möchte ein trendiges, neues Produkt online bestellen und schaue mir, bevor ich mich entscheide, lieber mal an was andere zu meinem potentiellen Neubesitz zu sagen haben. Das muss aber nicht immer effizient zum gewünschten Ergebnis führen.

Ich schaue mir erst einmal die am prominenteste platzierte Rezension an und erfahre: mein zukünftiger Besitz wird wahrscheinlich genau das nicht werden. Offensichtlich hält der Rezensent nichts davon. Also suche ich mir wohl lieber was anderes aus.

Was ist das? Dummerweise hat die Rezension jemand kommentiert, der genau das Gegenteil behauptet. Also doch kaufen?

Eigentlich muss der Rezensent aber Recht haben, das Produkt hat nur ganz wenige Sternchen, also waren die anderen Rezensenten wahrscheinlich ähnlicher Meinung. Also lieber doch nicht kaufen.

Warte, nur 1 Person von 345 fand die Rezension hiflreich. Ob der Typ Quatsch behauptet? Doch kaufen?

Angesichts der komplexen Informationsflut entscheide ich mich statt des Kaufes lieber für eine Übersprungshandlung und poste meinen Missmut auf Facebook.

Wie reagieren wir auf die verschiedenen, möglicherweise widersprüchlichen Informationen aus verschiedenen Quellen beim Online-Shopping? An dieser Stelle sei ein wenig – bisher versäumte- Eigenwerbung angebracht.

Eine Studie aus dem aktuellen Themenheft des Journal for Computer-Mediated Communication, durchgeführt von netten Kollegen und Kolleginnen aus Michigan (und ich durfte auch mithelfen), nähert sich diesem Problem an und untersucht die Interaktion von Rezensionen, Kommentaren und „war diese Rezension hilfreich“-Angaben auf die Einstellung zum Produkt. Auf Basis der Kongruenztheorie zur Einstellungsänderung aus der 50er Jahren werden Voraussagen für die Einstellungsänderung bei Konfrontation mit mehreren unterschiedlichen Arten von Produktinformationen (user-generated content) gemacht. Das Ergebnis lässt sich nicht so einfach in 2-3 Sätzen wiedergeben, nur soviel sei gesagt: das Modell passt gut. Die Reihenfolge der Information sowie das Wissen über bzw. die Einstellung zur Quelle scheinen hier eine Rolle zu spielen. Das Journal ist frei zugänglich, wer mehr wissen will, der lese selbst.

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