Vergraulen Unternehmen junge Bewerber durch Ablehnung von Social Media?

Kaum ein Unternehmen kann es sich heutzutage leisten, sich mit dem Thema Social Media nicht auf die eine oder andere Weise auseinanderzusetzen. Dies muss nicht immer den Umfang von proaktivem Social Media Marketing, Recruiting oder Kundensupport annehmen. Das Minimum besteht (neben dem Monitoring) darin, den eigenen Mitarbeitern zu kommunizieren, was sie (als Vertreter des Unternehmens) im Web dürfen und was nicht – denn ob ich will oder nicht, die eigene Mannschaft ist mit großer Wahrscheinlichkeit irgendwie privat im Social Web vertreten. In Social Media Guidelines wird z.B. festgehalten, ob ich mich als Mitarbeiter kenntlich machen darf, wo meine eigene Meinung anfängt und die des Unternehmens aufhört, was ich erzählen darf (Stichwort Betriebsgeheimnisse) und wie ich mich Anfragen und Kritik gegenüber verhalten sollte.

Wie wirken Social Media Guidelines auf Bewerber?

Die Ausgestaltung dieser Guidelines hat nicht nur Konsequenzen für die gegenwärtigen Mitarbeiter sondern auch – so lassen zumindest die Ergebnisse einer aktuellen Studie vermuten – für die potentiellen.

Forscher aus der USA und Korea ließen etwa 300 Studierende verschiedener Universitäten kurz vor ihrem Abschluss Unternehmen bewerten, über die sie vorher einen Online-Zeitungsartikel gelesen hatten. In diesem wurden u.a. die Social Media Policies des Unternehmens für die eigenen Mitarbeiter thematisiert und experimentell manipuliert: In einem Fall wurde die Beteiligung der Mitarbeiter als Botschafter des Unternehmens in sozialen Medien ausdrücklich gewünscht, im anderen Fall verboten.

Die Ergebnisse zeigen: Die Teilnehmenden, die ein Unternehmen mit eher rigiden Social Media-Ansichten bewerten sollten, stuften die Passung der eigenen Ansichten und Werte und der des Unternehmens niedrig ein. Diese (Nicht-)Passung zeigte darüber hinaus einen Zusammenhang mit der Attraktivität des Unternehms als Arbeitgeber und der Intention sich bewerben zu wollen: Die jungen potentiellen Bewerber/innen zogen das Unternehmen vor, welches den Mitarbeitern den Umgang mit Social Media erlaubte.

Social Media als ein wichtiger Teil der Unternehmenskultur – für alle?

Für viele junge Bewerber gehören die sozialen Medien zum Alltag dazu, so argumentieren die Forscher – da liegt es nahe, dass dieser Teil der Unternehmenskultur an Bedeutung gewinnt. Nun lässt sich zunächst einmal festhalten, dass es natürlich auch hier Unterschiede gibt und es mag für manche Bewerber durchaus noch zutreffen, dass andere Aspekte mehr ins Gewicht fallen oder sie sich gar keine Gedanken über den Umgang eines potentiellen Arbeitgebers mit Social Media machen. Die Befragten in der Studie stammten aus den Bereichen Journalismus, Kommunikation und Marketing. Aus eigener Erfahrung möchte ich behaupten: Hier findet eher eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema Social Media statt als es z.B. bei Studierenden der Geschichte oder der Kernphysik der Fall wäre. Klar, dass mich das interessiert, schließlich werde ich möglicherweise direkt damit arbeiten. Aber ob den durchschnittlichen Ingenieur die Social Media Guidelines in ähnlichem Maße tangieren?

Zur Außendarstellung gegenüber Bewerbern gehören nicht nur Social Media Guidelines

Wie eingangs bereits erwähnt, gibt es unterschiedliche Gebiete für den Einsatz sozialer Medien und unterschiedliche Arten, wie Unternehmen mit diesen umgehen können. Das Gesamtbild spiegelt die Unternehmenskultur wieder und könnte ähnliche Konsequenzen haben. Es bleiben also Fragen zu stellen wie: Werden Bewerber ageschreckt, wenn sie keine Facebook-Seite vom Unternehmen finden? Und wie sieht das bei den Kunden aus?

Auch „sich raushalten“ ist eine Art von Kommunikation

Bei dem in der Studie verwendeten fiktiven Unternehmen, welches die Social Media Aktivitäten der Mitarbeiter unterband, hat eine Auseinandersetzung mit dem Thema stattgefunden – Guidelines waren ja vorhanden. Aber wie die Ergebnisse vermuten lassen, kann ein Eindruck nicht nur durch das entstehen was ein Unternehmen in sozialen Medien tut sondern auch durch das was es dort nicht tut. Rückschlüsse auf die entsprechende Unternehmenskultur finden statt, Meinungen werden gebildet.

Ich merke, das führt mich hier grad zu weit weg vom Thema, deswegen spare ich mir das für den nächsten Post auf.

Zurück zum Thema

Wie oben gesagt bin ich mir nicht sicher, ob die Einstellung eines Unternehmens zu Social Media auch Bewerber aus nicht-themenverwandten Branchen interessiert oder ob die Ergebnisse der Studie auch außerhalb des Labors Halt haben – wie sind eure Erfahrungen?

 

 

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