Das mit den sozialen Medien und der Bildung: Macht Twitter schlauer?

„Der große Tag“ liegt hinter uns, die Nachbeben sind noch nicht verstummt – was sie noch anrichten werden, ist weiterhin offen. Die politische Debatte zur #btw13 (oder wie ich in den letzten Tagen mehrmals auf Twitter lesen durfte: „btw = by the way, war da was?“) möchte ich hier nicht aufgreifen. Dafür aber die Frage, was soziale Medien – genauer gesagt Twitter – im Bereich politischen und anderen Wissens denn so leisten können.

Die Rolle der sozialen Medien (als Diffusions- und Persuasionsinstrument der Parteien) im Rahmen der Bundestagswahl wurde im Vorfeld ja schon das eine oder andere Mal diskutiert (mit dem Fazit, so mein Eindruck, dass es bis auf die Schlandkette im Vergleich zum amerikanischen Vorbild eher „langweilig“ ablief). Aber natürlich können soziale Medien auch noch in anderer Hinsicht eine wichtige Rolle einnehmen – als Vermittler von Wissen und Information. Gestern morgen – eigentlich ganz passend – fand ich auf meinem Schreibtisch im Stapel der neuen Journals eine Studie darüber, wie sich Twitter-Nutzung auf das Wissen über aktuelle Geschehnisse und Fakten auswirkt. Vor dem Hintergrund der Debatte, ob bei der Informationsflut in sozialen Medien überhaupt noch etwas hängenbleibt oder ob wir eher denk- und erinnerungsfaul werden, fand ich die Ergebnisse o.g. Studie überaus aufschlussreich – wenn auch nicht wirklich überraschend: Twitter-Nutzer wissen mehr.

Kurz zum Hintergrund: Die in Südkorea durchgeführte Studie befasste sich mit unterschiedlichen Wissensbereichen – zum einen ging es um „hartes“ Nachrichtenwissen (z.B. politische Fakten, Wer war bis eben noch Parteivorsitzender/Bundesfamilienministerin?), zum anderen um „weiches“ Nachrichtenwissen (z. B. Sport und Entertainment, Warum ist David Hasselhoff nicht mehr im Container?). Da die Muster und die Auswirkungen der Nutzung sozialer Medien stark davon abhängig sind, welche Bedürfnisse wir damit befriedigen möchten (Stichwort: Uses and Gratifications), brachten die Forscher noch einen Persönlichkeitsaspekt mit ein: das Bedürfnis, Gesellschaftliche Neuigkeiten zu verfolgen und zu verstehen (need for orientation, NFO).

Das Ergebnis: Je länger jemand bereits Twitter nutzt, desto besser das politische Wissen – aber nur wenn man sich entsprechend stark für seine Umwelt interessiert. Das macht Sinn, denn je nachdem mit welcher Art von Informationsbedürfnis ich an das Füllen meines Twitter-Feeds herangehe, wird das Ergebnis durchaus unterschiedliche ausfallen. Gleichzeitig impliziert das aber auch: Von den Infos mit denen wir zugebombt werden (und die wir selbst erwählt haben), bleibt etwas hängen.
Anders sieht das aus bei den „weichen“ Fakten: Jemand mit einem hohen Interesse an gesellschaftlichen Themen profitiert in dieser Hinsicht nicht davon, mehr Zeit auf Twitter zu verbringen. Ganz im Gegenteil: Personen mit einem hohen NFO schneiden beim Wissensquiz schlechter ab, je mehr Zeit sie pro Tag auf Twitter verbringen. Für die Aufnahme von Entertainment News bleibt diesen Leuten so wie es aussieht gar keine Zeit mehr. Die Frage ob das schlimm ist bleibt an dieser Stelle offen.Für Personen, die sich auch sonst nicht sehr für gesellschaftliche Themen interessieren, machte die Nutzungsintensität bei Twitter keinen Unterschied beim Wissenstest – es konnten also auch keine negativen Auswirkungen festgestellt werden.

Wie sind eure Erfahrungen mit diesen oder jenen Neuigkeiten auf Twitter? Mein  eigener Feed folgt thematisch ebenfalls einer bestimmten Richtung (Social Media), trotzdem erfahre ich dort teilweise mehr über aktuelle politische Themen (nicht nur LSR und NSA :)) als in den von mir präferierten Online-Magazin/Zeitungsformaten.

 

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