Forschung zu Smilies und Emoticons – ein Freizeitvergnügen?

Meine Erfahrung zur Beforschung von Smilies und Emoticons als Formen nonverbalen Verhaltens online ist, dass Bachelorstudierende sich darum reißen. Denn eine Arbeit über Emoticons zu schreiben klingt weniger nach „Arbeit“.

Manchmal kommt es sogar vor, dass man gar nicht ernst genommen wird sobald man erzählt, dass man damit Forschung betreibt. Aber nur weil es spaßig klingt (und Spaß macht, das will ich nicht leugnen), wird es nicht weniger wichtig und ist auch nicht nur ein Thema für Sprachwissenschaftler. Ich möchte hier kurz darlegen warum.

Man kann sie verteufeln, blöd finden, selbst nutzen oder ohne nicht mehr Leben können: Smilies und Emoticons sind aus der schriftlichen Kommunikation nicht mehr weg zu denken. Ich möchte die Diskussion nach der „Verarmung“ der Sprache durch solche Cues hier außen vor lassen. Man kann von Emoticons halten was man will; wenn wir sie nicht haben wollten oder bräuchten, würden sie auch nicht existieren.

Man kann außerdem nicht leugnen, dass sie in allen erdenklichen Kontexten genutzt werden – und zwar nicht nur von „digital natives“. Sie werden zum festen Teil unserer alltäglichen Interaktion, wir nutzen sie so selbstverständlich wie verbale Signale (oft auch als „Worte“ bezeichnet).

<Eigenwerbung>Studien zeigen außerdem: Emoticons und Smilies beeinflussen unsere Wahrnehmung (ob die der Nachricht oder des Absenders)</Eigenwerbung>. Wenn wir das also wissen, wollen wir dann nicht auch wissen, was diese Dinger genau mit uns machen?

Im Prinzip könnte man jetzt argumentieren, dass die Beforschung von Interaktionen zwischen Freunden die sich virtuell angrinsen vielleicht ein spannendes Ding für die Psychologie ist, aber nicht für die Praxis.

Emoticons im Job

Ich sprach (Entschuldigung: schrieb) eben von Verbreitung. Wer den Link zur NY Times oben angeklickt hat wird wissen, dass auch die berufliche Kommunikation nicht mehr „sicher“ vor Emoticons und Smilies ist.

Wir zahlen Geld für Führungscoachings, Bewerbungsseminare etc. in denen auch nicht selten die nonverbale Kommunikation eine Rolle spielt. Warum sollte man sich dann nicht auch Gedanken über das computervermittelte Lächeln machen? „Nehmen mich meine Mitarbeiter/innen durch Emoticons weniger ernst oder als warmherziger wahr?“.

Emoticons im Marketing

Facebook-Posts mit Emoticons bekommen anscheinend mehr Likes und Shares. Wäre es nicht hilfreich zu wissen, warum? Ist das ein übergreifendes Schema, was sich überall nutzen lässt und lohnt es sich nicht herauszufinden, wo der Punkt der Sättigung einsetzt, damit das Ganze nicht ins Gegenteil umschlägt?

Smilies und Emoticons sind ein wichtiges Thema für die Praxis und es lohnt sich mehr darüber zu erfahren – auch wenn das von außen vielleicht (ACHTUNG, Wortspiel!) belächelt wird ;-).

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