Kleine Anleitung zum Bahnfahren

Ist man öfter mit dem Zug unterwegs, sieht, hört und riecht man die unglaublichsten Dinge und Verhaltensweisen, die sich interessanterweise auch ständig wiederholen. Es folgt ein kleiner Ratgeber für alle, die ihr Schicksal der Bahn anvertrauen möchten (zusammen mit einer Erklärung der wichtigsten kryptischen Begriffe):

Aussteigen

Wenn Sie an einem größeren Bahnhof oder aber gar der Endhaltestelle aus einem vollen Zug aussteigen, können Sie davon ausgehen, dass 90 – 100% Ihrer Mitreisenden auch aussteigen müssen. Ersparen Sie sich selbst und anderen die Peinlichkeit, 10 Minuten vor der entsprechenden Haltestelle ihren Sitznachbarn hochzujagen und sich durch die grimmigen Massen zur Tür zu schieben. Das Problem wird sich in ca. 11 Minuten von ganz allein erledigt haben. Einzig gültige Entschuldigung: Sie müssen einen Anschlusszug erwischen, dann darf man sich ruhig die bestmögliche Startposition verschaffen bevor die Massen sich in Bewegung setzen.

Betriebsablauf

Der Begriff beschreibt ein abstraktes Konzept voller Idealvorstellungen, die so nie eintreten werden. Finden Sie sich damit ab.

Durchsagen (im Zug)

Ich persönlich bin ja immer schon froh wenn mir überhaupt jemand sagt, warum wir grad seit 45 Minuten mitten im Wald stehen und es nicht weiter geht. Aber Durchsagen können auch zur Erheiterung einer Verspätungssituation beitragen. Machen Sie also das Beste daraus.

Meine persönlichen Favoriten

„Büdde die Türen freijeben, sonst kommwa net heim!“

„Ich würde auch gern wissen warum wir nicht weiterfahren dürfen…“

„Wie Sie sicherlich bemerkt haben, stehen wir immer noch!“

Durchsagen (am Bahnhof)

Regel 1: Erwarten Sie gar nicht erst, dass Sie die Durchsagen verstehen und wertvolle Informationen für Ihre Reise daraus ziehen können.

Regel 2: Wenn Sie es doch tun, nehmen Sie bitte zur Kenntniss, dass Ansagen die mit „Attention“ beginnen auf größeren Bahnhöfen öfter vorkommen und es keinen Grund gibt, diese zu kommentieren oder nachzusprechen. Gerade in größeren Gruppen wirkt dies auf Ihre Mitreisenden befremdlich (Kennen Sie noch die Möwen aus „Findet Nemo“? Ja, genau so.).

Einsteigen

Der Ablauf des Einsteigens ist eigentlich immer der gleiche und folgt 3 simplen Schritten, bei denen man jedoch auch auf einige Punkte achten sollte:

1.) Hält der Zug an, platzieren wir uns neben der Tür. Nicht davor. Warum nicht? Nun, es ist wahrscheinlich, dass auch gern einige Menschen den Zug verlassen möchten. Das geht nicht wenn jemand in der Tür steht.

2.) Öffnet sich die Türe lassen wir erst alle aussteigenden Gäste genau dies tun. Warum? Die Alternative wäre, erst alle Einsteigen zu lassen, damit die Aussteiger an den Eingestiegenen vorbei zur Tür drängeln müssen. Muss ich das noch weiter erläutern?

3.) Wir lassen erst ALLE aussteigen. Auch wenn die Flut der Aussteigenden an meiner Seite der offenen Tür ab-ebbt, werde ich den Teufel tun einzusteigen so lange noch irgendjemand da drin ist der raus will. Warum? Weil dann der Mensch auf der anderen Seite der Tür auch einsteigen wird – simple Psychologie. Und zack, ist die Tür wieder blockiert und wir wären wieder bei Schritt 1.

Nicht-Befolgung dieser Empfehlungen folgen in der Regel zu Verzögerungen im Betriebsablauf und damit zu Verspätungen.

Fußballsamstage

Bahnfahren an Fußballsamstagen im Ruhrgebiet ist die sowohl akustisch als auch olfaktorisch herausforderndste Situation die man sich vorstellen kann. Sollte eher  vermieden werden (sofern man nicht selbst daran teilnimmt).

Gepäck

Ich gebe zu, auch ich lege meine Tasche gern auf den benachbarten Sitz – wenn dazu ausreichend Platz vorhanden ist. Wenn die Leute neben Ihnen schon gedrängt im Gang stehen, ist es Zeit Ihr Gepäck auf den Boden, auf den Schoß oder in die Ablage zu befördern. Tun Sie das nach Möglichkeit nicht erst auf Anfrage, ohne Seufzer und ohne mit den Augen zu rollen.

Junggesellenabschiede

Konzeptionell und vom Ablauf her ähnlich wie Fussballsamstage, nur schlechter vorherzusehen. Sollte vermieden werden (wenn man nicht selbst daran teilnimmt).

Oberleitungsschaden

Bedeutet in der Regel, dass jemand mal wieder Geld brauchte und beschlossen hat, dass das Verscherbeln von Kupfer aus Oberleitungen die effizienteste Lösung ist.

Schienenersatzverkehr

Mein persönliches Unwort der Jahre 2006 – 2013.

Verspätung

Laut Definition ist eine Verspätung erst als solche zu betrachten wenn Sie 5 Minuten überschreitet. Davor wird sie weder angesagt noch zur Kenntnis genommen, es bringt auch nichts wenn Sie sich bei den umstehenden Mitfahrenden darüber beschweren.  Bei Verspätungen bis zu 60 Minuten tun wir einfach so als wäre das der nachfolgende – pünktlich eintreffende – Zug.

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