„Ist Facebook nur noch was für Poser?“

So lautet die Titelfrage des 1Live Fragezeichens heute und irgendwie kann ich nicht umher, hier mal zu sammeln, was die sozialpsychologische Forschung dazu sagt:

  • Selbstdarstellung auf Facebook ist etwas, wovon sich eigentlich niemand freisprechen kann, der online unterwegs ist. Selbstdarstellung beinhaltet die strategische Auswahl der nach außen gezeigten Informationen, etwas wozu sich Facebook einfach wunderbar eignet, denn es ist asynchron und seeehr öffentlich. Der Begriff „Selbstdarstellung“ ist oft sehr negativ behaftet („Poser“), ist aber eigentlich ein essentieller Teil jeder Kommunikation, ohne den wir alle in der Informationsflut mit der wir uns gegenseitig bombardieren untergehen würden (ok, bei manchen Leuten ist das unvermeidbar…..) (s. Leary, 1995)
  • Im Allgemeinen scheint es so, dass wir uns auf Facebook so präsentieren (wollen), wie wir wirklich sind (bzw. wie wir uns selbst wahrnehmen), also authentisch (Lampe et al., 2006); zum Beispiel lassen Profile auf sozialen Netwerkseiten ziemlich eindeutig auf die betreffende Person schließen, ob man sie nun kennt oder nicht (z.B. in einer Studie von Back et al., 2010)
  • Gleichzeitig aber tendieren wir alle dazu, uns auf bestimmten Eigenschaften etwas beschönigend nach außen zu geben (schätzungsweise weil es besser ankommt), besonders wenn es um Abenteuerlust, Humor und Kontaktfreudigkeit geht (Toma & Carlson, 2012); wir alle kennen ja das Gefühl zu Hause zu sitzen und andere um ihre Urlaubsfotos zu beneiden….
  • Was macht das mit uns? Die Frage aller Fragen; die berühmte „Facebook macht neidisch“-Studie kennen bestimmt viele. Aber wir sollten nicht vergessen dass wir selbst das möglicherweise genauso handhaben wie andere; teilt ihr nicht auch viel lieber Urlaubsfotos als Misserfolge? So haben unterschiedliche Studien gezeigt: Schauen wir uns die Postings anderer an, ruft das Neid hervor; browsen wir durch unsere eigene Timeline geht es uns danach anscheinend besser!

So gesehen sind wir alle „Poser“ auf Facebook. Das entschuldigt natürlich nicht – und da lasse ich jetzt mal die Forschung außen vor – die tagtäglichen Kleinigkeiten, mit denen uns unsere „Freunde“ per Facebook auf die Palme bringen. Ob man das mitmacht, entscheidet jeder selbst :)

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