Höhere Interaktionsraten mit Emoticons?

Emoticons sind zum Standard in der computervermittelten Kommunikation geworden, ob in Emails, SMS, im Chat oder aber auch auf sozialen Netzwerkseiten. Ähnlich wie bei nonverbaler Kommunikation offline, rufen auch Emoticons bestimmte Reaktionen beim Rezipienten hervor. Lässt sich das tatsächlich für das Social Media Marketing nutzen?

Eine aktuelle Infografik zeigt die Ergebnisse einer Studie, die sich damit befasst, welche Arten von Facebook-Posts großer Marken und Firmen die höchsten Interaktionsraten aufweisen. Die kleinen nonverbalen Helferlein, sog. Emoticons, scheinen die Beteiligung von Rezipienten solcher Posts (z.B. in Form von Kommentaren oder Likes) zu erhöhen. Da mir grad keine genaueren Infos über die Methode bekannt sind, gehe ich mal davon aus, dass es sich um eine Korrelationsstudie handelt. Gehen wir der EInfachheit (und um diesem Beitrag einen Sinn zu geben) desweiteren aber davon aus, dass die Emoticons tatsächlich die Ursache für die Steigerung der Aktivität darstellen. Ein Blick in die Sozial- und Medienpsychologische Forschung zu Emoticons kann vielleicht erklären, warum.

Facebook Post Cheat (by Linchpin), vollständige Grafik mit Referenz ist unten zu finden
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Was sind Emoticons? Durch einen Aneinanderreihung von typografischen Zeichen entsteht ein zur Seite gekipptes Gesicht, welches vom Prinzip her dem von Harvey Ball kreierten Smilie ähnelt. Das Emoticon selbst wurde vor 30 Jahren von Scott Fahlmann erfunden und sollte dazu dienen, Missverständnisse zu vermeiden, indem zum Beispiel durch ein Emoticon Ironie deutlich gemacht wird.

Studien zur Wirkung von Emoticons zeigen tatsächlich, dass die kleinen Gesichter die Zweideutigkeit einer geschriebenen Nachricht verringern können oder aber auch die Bedeutung der verbalen Nachricht abschwächen (z.B. kann ein „Ich hasse dich“ durch ein „:-)“ eine ganz anderen Touch bekommen als die verbale Nachricht allein implizieren würde).

Aber das Emoticon (genauso wie das Smilie) hat auch Auswirkungen darauf, wie wir den Schreiber einer Nachricht wahrnehmen. Wenn jemand beispielsweise nett „lächelt“ und dadurch sympathischer wirkt, reagieren wir dann möglicherweise anders darauf? Oder ruft ein „:(“ vielleicht Mitleid hervor und verleitet uns dazu, trost spenden zu wollen oder einfach in irgendeiner Weise zu zeigen, dass wir uns kümmern? Diese Fragen wurden in der bisherigen psychologischen Forschung meines Wissens nach noch nicht adressiert, aber möglicherweise bietet die Wahrnehmung des Schreibers einen Erklärungsansatz dafür, warum Posts mit Emoticons mehr Interaktion hervorrufen.

Darüber hinaus zeigen aber Forschungsergebnisse, dass ein nettes Lächeln oder ein trauriger Blick auch den Leser selbst in seiner Stimmung beeinflussen können. Sind wir in besserer Stimmung vielleicht eher gewillt, mal ein Like rauszuhauen?

Auch wenn die Nutzung von Emoticons ein im Hinblick auf das Engagement der Rezipienten positives Ergebnis vermuten lässt, tendiere ich dazu, das Ganze differenziert zu betrachten. Sind Emoticons wirklich in jedem Kontext angemessen? Ab wann wirkt es aufgesetzt oder unglaubwürdig? Ergebnisse einer Studie aus diesem Jahr (noch ist es 2012) zeigen, dass der Umgang mit Emoticons in beruflichen Kontexten möglicherweise anderen Regeln folgt als wenn wir uns mit Freunden unterhalten. So wirken männliche Chefs weniger durchsetzungsfähig wenn sie ihre Arbeits-Emails mit lächelnden oder traurigen Gesichtern spicken. Ist das wirklich vom Schreiber gewollt?

Man muss sich die Frage stellen, in welchem Verhältnis der/die „Lächelnde“ zum Rezipienten steht, ob die Nutzung von Emoticons angemessen ist, bei der Zielgruppe Anklang findet und welche Konsequenzen damit verbunden sein können. Extremes Beispiel: Will ich als Bestattungsunternehmer wirklich die neue Kollektion mit „Mit uns liegen Sie immer richtig ;)“ ankündigen?

Einige Ergebnisse zur Wirkung von Emoticons (und Smilies) sind hier zu finden:

Walther, J.B. & D’Addario, K.P. (2001). The impacts of emoticons on message interpretation in computer-mediated communication. Social Science Computer Review, 19, 323–345.

Derks (2007). Exploring the missing wink.

Eimler, S.C., Ganster, T., & Krämer, N.C. (2012). Als Chef hat man nichts zu lachen – Eine Studie zur Wirkung von durch Führungspersonen genutzten Emoticons in berufsbezogenen Emails. In T. Köhler & N. Kahnwald (Hrsg.), Communities in New Media: Virtual Enterprises, Research, Communities & Social Media Networks. Proceedings des 15. Workshops „Gemeinschaft in Neuen Medien“, TU Dresden, 04./05.10.2012, S. 299311, ISBN: 978-3-942710-86-2.

Ganster, T., Eimler, S.C., & Krämer, N. (2012). Same Same But Different!? The Differential Influence of Smileys and Emoticons on Person Perception. Cyberpsychology, Behavior, and Social Networking. 15(4), 226–230.

Vollständige Infografik:
facebook post cheat sheet
Facebook Wall Post Cheat Sheet infographic designed by Linchpin Infographic Design

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