Facebook Phishing: Wer ist besonders gefährdet?

Viele kennen den Begriff „Phishing“ wahrscheinlich aus dem Email-Kontext. Aber auch in sozialen Medien muss man heute anscheinend immer stärker damit rechnen, auf Fake-Profile zu stoßen, mit deren Hilfe persönliche Daten abgegriffen werden sollen. Anders als man vermuten würde, scheinen aber nicht nur Gelegenheitsnutzer, sondern vor allem digitale Gewohnheitstiere darauf hereinzufallen.

Die Annahmen einer an der Universität von Buffalo durchgeführten Studie zum Facebook Phishing basierten auf Beobachtungen früherer Studien: Interventionsprogramme, in denen Nutzern dargelegt wurden, woran Phishing-Versuche in Emails zu erkennen seien, hatten nur sehr kurzfristig Erfolg. Die entsprechenden TeilnehmerInnen fielen sehr schnell wieder zurück in alte Gewohnheitsmuster, laut derer sie entsprechende Hinweise einfach ignorierten.

Es schien also nicht unbedingt Unwissen zu sein, was Nutzer angreifbar für Betrugsversuche machte, sondern die eigenen Gewohnheiten.

Die Macht der Gewohnheit

Eine Gewohnheit ist in unserem alltäglichen Sprachgebrauch eigentlich etwas harmloses. Eine Gewohnheit strukturiert unseren Tagesablauf und kann beruhigend sein. Gewohnheitsmäßige Mediennutzung wie die sozialer Medien zeichnet sich durch 3 Eigenschaften aus:

  • sie findet häufig statt
  • sie dient dem Zweck, sog. Gratifikationen zu erhalten (Kontakt zu Freunden, Unterhaltung, Informationsbedürfnisse befriedigen etc.)
  • sie ist automatisiert und unbewusst

Der letzte Punkt bedeutet indirekt, dass gewohnheitsmäßige Nutzung in gewissem Maße mit einer Sucht (problematische Internetnutzung) verglichen werden könnte, denn diese automatisierten Prozesse bringen einen gewissen Kontrollverlust mit sich. Spricht man mal mit entwöhnten Rauchern, wird man nicht selten hören dass die schwierigste Hürde beim Aufhören das Aufbrechen von Gewohnheiten war, wie z.B. morgens beim Kaffee gewohnheitsmäßig eine Zigarette zu rauchen.

Ein Verhalten, was wir aus Gewohnheit an den Tag legen, wird selten von uns aktiv reflektiert; genau aus diesem Grund gingen die Forscher der Universität von Buffalo davon aus, dass wir dadurch anfälliger sind, auf Betrugsversuche hereinzufallen: wir denken einfach nicht darüber nach.

Machen Facebook-Gewohnheitstiere alles mit?

150 Studierende der Kommunikationswissenschaften nahmen an der Studie teil und füllten zu Semesteranfang einen Fragebogen zu ihren Facebook-Gewohnheiten aus. Im Laufe der nächsten Wochen wurden diese Studierenden auf Facebook von einem (unbekannten) Fake-Profile kontaktiert, um die Annahme einer Freundschaftsanfrage gebeten und letztlich wurden persönliche Daten unter der Vorwand einer freien Praktikumsstelle abgefragt. Die Fragebogendaten wurden danach nicht damit abgeglichen, ob die Teilnehmenden das Profil wirklich befreundeten oder ihre Daten hergaben (ich vermute, aus Gründen der Privatsphäre war ein Matching nicht möglich). Statt dessen wurden die Teilnehmenden nach Ablauf dieser Zeit um eine weitere persönliche (anonyme) Einschätzung per Fragebogen gebeten, ob und wie weit sie auf die Kontaktversuche des Fake-Profils eingegangen sind.

Die Ergebnisse zeigen tatsächlich einen Zusammenhang zwischen der Grad gewohnheitsmäßiger Nutzung und der Wahrscheinlichkeit, mit der die Freundschaftsanfrage beantwortet wurde sowie der Wahrscheinlichkeit, mit der die TeilnehmerInnen dem fremden Profil ihre persönlichen Daten übermittelten. Während beim ersten Aspekt noch andere persönliche Eigenschaften neben der Gewohnheit eine gewisse Vorhersagekraft hatten (z.B. verschiedene Arten von persönlichem und sozialem Commitment), konnte die Reaktion der Teilnehmenden auf die Abfrage von Daten wirklich nur durch den Grad gewohnheitsmäßiger Facebook-Nutzung erklärt werden.

Gewohnheitsmäßige Nutzung vs. Medienkompetenz

Leichtfertig könnte man jetzt schlussfolgern: Vielnutzer fallen eher auf Betrugsversuche via Facebook herein. Ich denke aber, man muss hier gewisse Unterscheidungen machen. Nur weil ich ein Medium exzessiv nutze, bedeutet das ja noch nicht dass ich grundlegende Funktionsweisen verstehe oder aktiv darüber reflektiere. Dies streift unterschiedliche Aspekte des Konstruktes Medienkompetenz. Nichtsdestotrotz halte ich es für jeden lohnenswert, über die eigenen Mediennutzungsgewohnheiten einmal aktiv zu reflektieren – wird sicherlich nur für den Umgang mit Betrugsversuchen hilfreich sein.

Was denkt ihr?

Quelle: Vishwanath, A. (2014). Habitual Facebook Use and its Impact on Getting Deceived on Social Media. Journal of Computer-Mediated Communication, DOI: 10.1111/jcc4.12100.

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