Cyberchondria – was ist das jetzt schon wieder?

Wenn der Hypochonder aufs Internet trifft. Ich habe gestern ein neues Wort gelernt und war fast schockiert davon, dass mir der Begriff vorher nicht geläufig war – denn wenn ich ehrlich bin, habe ich das selbst schon das eine oder andere Mal erlebt. Wer hat schon einmal nach eigenen unbekannten Krankheitssymptomen gegooglet, um einen Eindruck davon zu bekommen, was es sein könnte?

Es ist sicherlich nicht verwunderlich, dass bei der Fülle an Meinungen und Informationen im Web dieses Verhalten zu gewissen Problemen führen kann und eines davon heißt Cyberchondria – anscheinend mittlerweile auch ein in der Forschung verwendetes Buzzword. Hypochondrie – die Grundlange dieses Wortes – wird nicht selten belächelt, ist aber eine ernstzunehmende psychische Störung, bei der – salopp gesagt – gesunde Menschen davon überzeugt sind, krank zu sein. Der aufs Web übertragene Begriff Cyberchondria beschreibt, wie Suchverhalten über die eigenen Symptome im Internet zu Angstzuständen in Bezug auf die eigene Gesundheit führt.

Im Internet ist man sich selten einig

Wo wir früher ggf. in Fachbüchern geblättert oder direkt einen Arzt konsultiert haben, können wir heute auf tausende unterschiedlicher Erfahrungsberichte und Meinungen zum entsprechenden Problem zugreifen, die sich in den seltensten Fällen einig sein werden und die sich natürlich bzgl. ihrer Zuverlässigkeit und in ihrem Wahrheitsgehalt in der Regel nicht überprüfen lassen. Ob wir uns darauf einlassen und den Informationen Glauben schenken kann von einer Menge unterschiedlicher Faktoren abhängig sein – nicht nur davon als wie kompetent wir den Schreibenden einschätzen oder wie stark wir ihm/ihr vertrauen aufrichtig zu sein, sondern z.B. auch Nutzerbewertungen oder wie brauchbar die entsprechende Information für das bestehende Problem ist.

Es liegt also nahe, dass die Konsultation des Internets bei gesundheitlichen Problemen nicht immer zu einer eindeutigen Antwort führen wird oder dass wir auf Antworten stoßen die wir für passend und glaubwürdig halten, die aber in Wirklichkeit überhaupt nichts mit unserem Problem zu tun haben. Und schon wird aus dem hartnäckigen blauen Fleck eine schwerwiegende Krankheit.

Nicht jeder hat das Potential zum Cyberchonder

Das muss aber nicht in jedem Fall und auch nicht bei jedem Menschen so aussehen. Aufmerksam geworden bin ich auf die Relevanz dieses Phänomens durch einen Artikel von Thomas Fergus von der Abteilung für Psychologie und Neurowissenschaften der Baylor Universität in Texas. In einer Fragebogenstudie mit ca. 500 gesunden Erwachsenen fand er heraus: Je weniger jemand Unsicherheit in Bezug auf das eigene Leben (z.B. eine ungewisse Zukunft) ertragen kann, desto schlimmer sind die Auswirkungen des Googlens auf die resultierenden Angstzustände.

So wie es scheint, wird das Krankheits-Googlen also nicht für jeden zum echten Problem und ich würde auch fast vermuten, dass nicht jeder dies in gleichem Maße tut (ob es dazu schon Forschung gibt, weiß ich ehrlich gesagt nicht). Wie ist es bei euch? Schon einmal der Cyberchondria verfallen? Ich persönlich kann mich nur an Gelegenheiten erinnern, wo die Google-Recherche zum Ergebnis hatte, dass ich nicht zum Arzt gegangen bin, weil das Internet mir sagte ;-) dass dieser eh nichts hätte tun können (z.B. bei einer geprellten Rippe nach einem Fahrradsturz).

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